Im Frauenfußball neue Wege gehen

Im Frauenfußball neue Wege gehen

04. Jun 2018 | Uwe Wies |

Seulberg. 

Als sich Dietmar Privat und Nicolas Cadd auf dem Waldsportplatz in Seulberg begrüßen, schließt sich für sie ein Kreis. Wer hätte das gedacht, dass die beiden einmal die Mitinitiatoren für eine kreisübergreifende Zusammenarbeit zweier Fußballabteilungen sein würden! „Der Nicolas“, schießt Privat los, „der ist früher mit meinem Sohn Yannick in eine Klasse gegangen“, und der erwähnte Trainerkollege lächelt zustimmend.

Früher war, als die beiden Familien in Rodheim Nachbarn waren. Das ist tatsächlich schon lange her. Denn Nicolas Cadd hat mittlerweile selbst eine Familie gegründet. Und weil er deswegen keine Zeit mehr hat, die Fußballerinnen der SG Rodheim zu trainieren, kommt der Vater seines damaligen Schulkameraden ins Spiel. Dietmar Privat wohnt nun in Seulberg, trainiert beim SVS die B-Mädchen, kickt aber selbst gelegentlich bei den Alten Herren der SG Rodheim. So kam eins zum anderen.

Das Ergebnis ist auf dem grünen Rasen im Waldstück hinter den Tennisplätzen zu sehen: Blutjunge, und schon etwas erfahrenere Fußballerinnen wollen sich für ein Gruppenfoto aufstellen. Sie tragen zwar verschiedene Trikots, sollen aber gleich zusammen trainieren und in Zukunft auch miteinander spielen. Fußballspielgemeinschaft Seulberg/Rodheim wäre ein denkbarer Name, vielleicht einigt man sich darauf, „das müssen wir uns aber erst noch überlegen“, lächelt Dietmar Privat.

Zwei alte Weggefährten: Die Trainer Dietmar Privat (SV Seulberg) und Nicolas Cadd (SG Rodheim).

Der jung gebliebene Seulberger ist zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und hat vor zwei Jahren eine Jugendmannschaft übernommen, die C-Mädchen. Natürlich, denn Privat ist Frauenfußball-Coach der ersten Stunde. Spielerfrauen hätten im Jahr 1986 den Vorschlag geäußert, ebenfalls ein Fußballteam bilden zu wollen. „Nach einer Viertelstunde waren die meisten wieder im Vereinsheim“, scherzt Privat rückblickend. Mit der Mannschaft klappte es dennoch, er coachte sie drei Jahre, und nach vielen Trainerstationen im Rhein-Man-Gebiet – unter anderem beim ruhmreichen 1. FFC Frankfurt – ist Privat jetzt wieder in Seulberg tätig.

Weil ihm 16 Spielerinnen zur Verfügung standen – eine geradezu luxuriöse Situation für einen Jugendtrainer dieser Altersklasse – meldete der Seulberger Coach zu dieser Saison die B-Mädchen für die Runde mit Teams in normaler Mannschaftsstärke an. Zuvor kickten die Mädels zu siebt. Auf dem Großfeld zahlte der SVS viel Lehrgeld, denn die Verbandsliga ist in dieser Altersklasse schon die unterste Liga, so dass namhafte Gegner mit sportlicher Qualität auf dem Waldsportplatz aufliefen. Viele Partien verloren die wackeren Seulbergerinnen deshalb – und manche Spielerin die Lust.

 

Viertelstunde entfernt

Auch Privats früherer Nachbar möchte das Fortbestehen seines Teams sichern. Eine Spielgemeinschaft macht schon deshalb Sinn. Die nicht so weit entfernt spielende SG Bad Homburg/Köppern habe nicht so viel Interesse gezeigt, schildert Privat. Außerdem fahre man von der Wetterau in den Taunus gar nicht so weit. Acht Kilometer – „wir waren in einer Viertelstunde da“, sagt Nicolas Cadd.

Uwe Wies, Abteilungsleiter Fußball der SG Rodheim, und Michael Jegust, Zweiter Vorsitzender des SV Seulberg, haben die Bemühungen einer Kooperation prompt forciert. Auf zwei Jahre ist sie erst einmal angelegt. Ziel ist es, eine Frauenmannschaft und eine U 16 zu melden, erklärt Privat, der wie Susi Rexhausen als Trainer zur Verfügung steht. Während er das sagt, zeigt er auf drei junge Spielerinnen, die sich nicht weit von ihm unterhalten. Franziska Aulbach, Hannah Knaut und Johanna Schwemer rückten bald zu den Frauen auf – obwohl erst 15 und 16 Jahre alt. Eine A-Jugend-Runde gibt es für Fußballerinnen in der Region nicht.

 

Aktion für Mädchenfußball

Die neue Spielgemeinschaft für bestenfalls zwei Teams ist für den SV Seulberg die nächste gute Nachricht, nachdem der Bau eines zweiten Spielfeldes mit Kunstrasen fertiggestellt und wieder eine zweite Männermannschaft formiert werden konnte. Für die Zusammenarbeit mit der SG Rodheim kommt es wie gerufen, dass der SVS im Rahmen der Aktion „Mehr Mädchen auf den Rasen“ einer großen Gesundheitskasse mit Sitz in Bad Homburg ein Premium-Förderpaket im Wert von 2500 Euro gewonnen hat. Dazu, so erläutert Beratungscenterleiter Markus Rambadt flugs, bevor das erste gemeinsame Mannschaftsfoto gemacht wird, gehörten zum Beispiel die Kostenübernahme einer Trainer-C-Lizenz und ein hochwertiger Trikotsatz.

Mehr als 100 Clubs profitierten schon in Hessen von der Aktion, die 2018 letztmals durchgeführt wird. Jetzt also auch die Seulberger Fußballerinnen. Die schauen jedoch erst einmal skeptisch drein. Trikots in Weiß und Grün? Dabei dominiert doch das Rot im Vereinswappen. Daran, so sagt ein Mädchen augenzwinkernd, müsse man sich erst einmal gewöhnen.