U20 männlich: Wunder von Darmstadt: Rodheim schreibt U20‑Hessenmeister‑Märchen
U20 männlich: Wunder von Darmstadt: Rodheim schreibt U20‑Hessenmeister‑Märchen
31. Jan 2026 | Robert Stodtmeister |
Darmstadt, 31. Januar 2026. Die U20 der SG Rodheim hat in der Kasinohalle Darmstadt ein echtes Sportmärchen geschrieben. Mit dem kleinsten und zugleich jüngsten Kader des gesamten Turniers – acht einsatzfähige Spieler im Alter von 15, 15, 16, 17, 17, 17, 18 und 18 Jahren – trat das Team als klarer Außenseiter an und setzte sich gegen durchweg U20‑Oberliga‑Gegner durch, obwohl Rodheim selbst „nur“ in der Landesliga spielt.
Dazu kamen erschwerte Rahmenbedingungen: Drei Spieler fielen krank bzw. verletzt aus; Colin Schempp gab nach Bänderriss sein Comeback, Frederik Grübel spielte trotz einer frischen Bänderdehnung, Fabian Luczak reiste mit Fieber an – und alle drei stellten sich in den Dienst der Mannschaft.
Vorrunde
Spiel 1: DSW Darmstadt 1 – SG Rodheim 2:0 (25:17, 25:13)
Zum Auftakt traf Rodheim auf den Gastgeber DSW Darmstadt 1, der mit einem tiefen 14‑Mann‑Kader und dem klaren Ziel „Hessenmeister“ antrat. Trotz couragierter Phasen setzte sich die Heim‑Sieben durch.
Spiel 2: JSG Vellmar/Kassel – SG Rodheim 0:2 (23:25, 15:25)
Im zweiten Spiel fand Rodheim seinen Rhythmus. Mit stabiler Annahme, variablen Angriffen und cleverem Aufschlagdruck holte das Team einen verdienten 2:0‑Erfolg – die Basis für eine perfekte K.-o.-Phase.
Halbfinale – SG Rodheim vs. TuS Kriftel 2:0 (25:23, 25:20)
Kriftel, die „Übermacht“ des Turniers, trat mit hochkarätigem Kader und 2.-Liga‑Zuspieler an. Rodheim startete nervös, geriet 4:8 ins Hintertreffen, blieb aber geduldig. Über Frederik Grübels Präsenz im Mittelblock, Fabian Luczaks immer wieder „brutale“ Blocks und Lionel Fröhlichs mutiges Zuspiel fand das Team zurück. Beim 20:20 war alles offen, die Crunchtime entschied Rodheim 25:23 – auch dank starker Nerven in Annahme und Feldabwehr.
Rodheim teilte die Aufgaben smart auf – Colin Schempp übernahm vorrangig die Annahme, Bogdan Rudi fokussierte die Abwehr. Diese Spezialisierung stabilisierte das Side‑Out und gab den Angreifern die nötige Sicherheit.
In Satz 2 fand Kriftel gegen den Rodheims Block kaum Durchkommen und stellte sogar den Zuspieler aus dem 2.-Liga‑Kader auf Angriff, um taktisch gegenzusteuern. Rodheim blieb cool: Ben Zander und Julius Fröhlich punkteten über Außen, Konstantin Stodtmeister traf diagonal in wichtigen Momenten – 25:20. Die erste Sensation das Abends war geschehen.
Mit dem Halbfinal‑Sieg war gleichzeitig das Ticket zu den Regionalmeisterschaften gelöst – ein Meilenstein für das junge Team.
Finale – SG Rodheim vs. DSW Darmstadt 1 2:1 (21:25, 25:22, 15:13)
Bevor der erste Ball im Finale flog, verwandelte sich die Darmstädter Kasinohalle in eine Bühne, wie man sie sonst nur aus dem Profivolleyball kennt. Die Anmoderation erfolgte mit Hallensprecher, Musik, Spotlights und der namentlichen Vorstellung beider Teams.
Als die SG Rodheim einzeln aufgerufen wurde und einer nach dem anderen unter Applaus einlief, entstand ein echter Gänsehautmoment: Acht junge Spieler, körperlich unterlegen, erschöpft vom Halbfinal‑Fight – und doch voller Entschlossenheit, dem Favoriten noch einmal alles entgegenzuwerfen.
Die Atmosphäre elektrisierte die Halle. Eltern, angereiste Jugendspieler und sogar neutrale Zuschauer erhoben sich, als die Mannschaft im Halbkreis stand, sich einschwor und gemeinsam den harten Finalweg antrat.
Gastgeber DSW Darmstadt, erneut mit Heimvorteil und breitem Kader, kam als Topfavorit zurück aufs Feld. Satz 1 lief zunächst gegen Rodheim – früher Rückstand, 21:25 das Ergebnis.
Doch im Satz 2 erfolgte die Antwort der Außenseiter.
Rodheim erhöhte den Aufschlagdruck, Fabian Luczak setzte in der Mitte wiederholt starke Block‑Akzente, Lionel Fröhlich variierte das Zuspiel, Julius Fröhlich und Ben Zander verwerteten konsequent. Ergebnis: 25:22 und der erzwungene Tie‑Break.
Von 8:12 zum 15:13: der 7:1‑Run zur Goldmedaille.
Im entscheidenden Durchgang lag Rodheim bereits 8:12 zurück – doch das Team blieb furchtlos. Ein furioser 7:1‑Lauf drehte das Finale: Blocks, verteidigte Monster‑Rallyes, präzise Side‑Outs und die unerschütterliche Ruhe des Libero‑Duos machten den Unterschied. 15:13, die Halle stand Kopf, Hessenmeister!
Das Fundament des Märchens
Der Erfolg ging weit über das Spielfeld hinaus. Zuhause gebliebene Spieler verfolgten das Finale live im Stream, fieberten Punkt für Punkt mit und waren digital mit dem Team verbunden. Bereits im Vorfeld war eine kleine Feier allein für das Erreichen des Hessenfinales geplant – dass die Mannschaft am Abend tatsächlich mit Gold zurückkehrte, machte daraus eine unvergessliche Vereinsnacht.
Ein besonderer Dank gilt der hervorragenden Jugendarbeit im Verein. Andreas Zander, Max Gaus und weitere Engagierte im Herren‑ und Jugendbereich leisten seit Jahren exzellente Aufbauarbeit – viele der aktuellen Leistungsträger sind direkte Produkte dieser Förderung. Ebenso wertvoll war die Unterstützung der Eltern sowie mehrerer Jugendspieler, die extra nach Darmstadt reisten, um lautstark anzufeuern. Diese Gemeinschaft gab der Mannschaft in kritischen Phasen spürbaren Rückenwind.
Die SG Rodheim hat in Darmstadt bewiesen, dass Mut, Teamgeist und taktische Intelligenz Favoritenrollen aushebeln können. Gegen zwei „Goliaths“ – Kriftel und den Gastgeber Darmstadt – setzte sich das jüngste und kleinste Team des Turniers durch, löste im Halbfinale das Ticket zu den Regionalmeisterschaften und krönte einen magischen Tag mit Gold.
Das „U20‑Hessenmeister‑Märchen von Darmstadt“ wird im Verein noch lange nachhallen.
Die Hessenmeister der SG Rodheim sind:
Julius Fröhlich, Ben Zander, Lionel Fröhlich, Frederik Grübel, Fabian Luczak, Konstantin Stodtmeister, Bogdan Rudi und Colin Schempp (Trainer: Robert Stodtmeister).
Zum erweiterten Hessenmeister‑Kader gehören außerdem Lukas Schäfer, Philip Walach, Tom Albrecht und Julian Heidt, die aufgrund von Verletzung, Krankheit oder Terminverhinderung nicht an der Hessenmeisterschaft teilnehmen konnten, aber fest zur Mannschaft gehören.